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Schmalspurbahnen

Sachsen verfügt bundesweit über das dichteste und vielfältigste Eisenbahnnostalgieangebot. Neben fünf täglich verkehrenden Schmalspurbahnen und drei dampfbetriebenen schmalspurigen Museumsbahnen findet man regelspurige historische Eisenbahnen, Park- und Feldbahnen sowie renommierte Eisenbahn- und Verkehrsmuseen.

Die erhaltene Vielfalt ist das Ergebnis eines ausgeprägten Traditionsbewusstseins der Sachsen im Hinblick auf die Schmalspurbahnen. Einst Lebensadern zur wirtschaftlichen Erschließung sind die Bahnen heute eine touristische Attraktion, in mehreren ländlichen Regionen gehören sie gar zum touristischen Leitangebot und sind auch heute noch eine wichtige wirtschaftliche Säule für das Umfeld.

Im Jahr 2011 können die Sachsen auf 130 Jahre Schmalspurbahngeschichte zurückblicken. Zahlreiche Sachsen und Freunde der Bahnen auch aus anderen Regionen sind ehrenamtlich in Vereinen und Initiativen zur Erhaltung des Kulturerbes historischer Eisenbahnen aktiv.

Eine sachsenweit tätige Plattform zur Erhaltung, wirtschaftlichen Erschließung und Integration der Bahnen in touristische Konzepte bildet der Verein zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen e.V. (VSSB). Zu den Projekten des VSSB gehörte auch der Neubau der Sächsischen I K Nr. 54, einer Lokomotive nach dem Vorbild der ersten Gattung Sächsischer Schmalspurbahnlokomotiven, von der keine Maschine mehr erhalten war. Ebenfalls vom VSSB initiiert wurde die DAMPFBAHN-ROUTE Sachsen, eine Ferienstraße und Vermarktungsplattform für die Sächsischen Dampfbahnen und die vielfältigen attraktiven Angebote der umliegenden Regionen.

Eine weitere im gesamten Freistaat Sachsen tätige Institution, welche sich dem Erhalt des Kulturerbes der Schmalspurbahnen widmet, ist die Stiftung Sächsische Schmalspurbahnen. Ziel der Stiftung ist es, historische Fahrzeuge und Anlagen in Sachsen zu erhalten. Ebenso werden ein Archiv zur Bewahrung von Dokumenten zur Geschichte und Technik der Sächsischen Schmalspurbahnen aufgebaut, Informationen für die Öffentlichkeit und Fachpartner erarbeitet sowie konkrete Projekte unterstützt.

Ein aktuelles Projekt, welches auch von der Stiftung Sächsischer Schmalspurbahnen unterstützt wird ist das Tourismusprojekt Schönheide/ Carlsfeld und Umgebung. Mehrere historische Eisenbahnen werden im Rahmen dieses Projektes als touristische Lebensadern reaktiviert um vielfältige Attraktionen und Angebote im Westerzgebirge und Vogtland zu verbinden und die Region wirtschaftlich zu stärken.

Weiterführende Informationen

Die Schmalspurbahn in Sachsen

    Wirtschaftlicher Erfolg durch die Schmalspurbahn

    Für die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens stellten die Schmal- spurbahnen einen entscheidenden Erfolgsfaktor dar. Sie verbanden ländliche Regionen mit Industriegebieten und förderten somit die industrielle Entwicklung. 

    Schon Ende des 19. Jahrhundert war das sächsische Eisenbahnnetz auf weite Teile des Landes ausgedehnt. Einschränkungen im weiteren Ausbau der Eisenbahnstrecken entstanden jedoch durch das bergige Relief in Sachsen, welches den Einsatz regelspuriger Bahnen vor allem finanziell erschwerte. Die Entscheidung für die Nutzung der Schmal- spurbahn garantierte die Erweiterung des Bahnnetzes in ganz Sachsen.

    Nach der Eröffnung der ersten schmalspurigen Eisenbahnstrecke Wilkau-Hasslau-Kirchberg 1881, entstand in den Folgejahren eine Vielzahl von Strecken. Diese wurden überwiegend als Schmalspur- bahnen gebaut. Regelspurige Bahnstrecken wurden nur noch zur Verbindung von bereits bestehenden Bahnen errichtet. Besonders im Erzgebirge erwiesen sich die Schmalspurbahnen als entscheidend für die Industrialisierung, denn sie ermöglichten den kleinen Betrieben in den engen Erzgebirgstalern eine Anschluss an das umfassende Eisenbahnnetz.

    Von der Krise zur Friedlichen Revolution

    Die Wirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre beeinträchtigte auch den Betrieb der Schmalspurbahnen. Ursachen dafür waren sowohl die Inflation als auch die steigenden Kosten für Bahnbetrieb und Personal. Mit der Einführung moderner Einheitswagen, welche mit Dampfheizung, elektrischer Beleuchtung, Saugluftbremse und halbautomatische Kupplung ausgestattet waren, sollte der Fahrgast bequemer und vor allem häufiger reisen können.

    Die technische Weiterentwicklung der Schmalspurbahnen wurde während der Jahre des Zweiten Weltkrieges weitestgehend unterbrochen, da das Personal für den Kriegsdienst eingezogen wurde. Im letzten Kriegsjahr 1945 wurde der Zugverkehr auf den Schmalspurbahnen in Sachsen vollständig eingestellt. Erst nach dem Krieg wurde das Schmalspurbahnnetz Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Erschwert wurde dies durch die oftmals heruntergewirtschafteten Fahrzeuge und die Abgabe einiger der modernsten Lokomotiven an die Sowjetunion als Teil der Reparationsleistung.

    Im Erzgebirge konnte durch den Uranabbau die Verkehrsleistung der Schmalspurbahnen kurzfristig gesteigert werden. Diese ermöglichten den Arbeitern den Transport in die Bergwerke. Moderne Buslinien lösten jedoch schon bald den Schmalspurbahnverkehr ab und die Strecken wurden zunehmend vernachlässigt. Auch wenn in den 1960er Jahren die Gleise auf einigen Strecken erneuert wurden, so beschloss das Ministerium 1964 die Stilllegung aller Schmalspurstrecken bis 1975. Der Fortbestand der Strecken hätte einer umfangreichen Erneuerung der Fahrzeuge und Anlagen bedurft, für das jegliche ökonomische und technische Kapazität fehlte.

    Erst 1974 wurden sieben Schmalspurbahnen wieder belebt und als Denkmale der Verkehrsgeschichte ausgewählt. Neben diesen touristischen Bahnen waren noch sechs Schmalspurbahnen im Personen- und Güterverkehr in Betrieb. Die zur vollständigen Erhaltung vorgesehenen Strecken wurden ab 1977 schrittweise modernisiert und die Wagen umgebaut. Bis 1989 wurde etwa die Hälfte aller Gleisanlagen erneuert und fast alle Fahrzeuge auf Druckluftbremse umgestellt.

    Nach der Friedlichen Revolution sollten die Schmalspurbahnstrecken zu einem großen Teil still gelegt oder privatisiert werden. Eisenbahnliebhaber und zahlreiche Vereine erreichten in den frühen 1990er Jahren den Aufbau von Teilabschnitten einiger Strecken. Insbesondere die Strecke der Preßnitztalbahn wurde zu einer beeindruckenden Museumsbahnstrecke ausgebaut.

    Die Schmalspurbahnen in Sachsen heute

    Derzeit werden die noch im Regelbetrieb befindlichen Schmalspurbahnen in Sachsen von den Eisenbahnverkehrsunternehmen Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mbH (SDG, vormals BVO-Bahn), Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft mbH (SOEG) und der Döllnitzbahn GmbH betrieben.

    Zu den fünf verbliebenen und täglich betriebenen Strecken in Sachsen gehören:

    • Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG)
      • Cranzahl-Kurort Oberwiesenthal (Fichtelbergbahn)
      • Radebeul Ost-Radeburg (Lößnitzgrundbahn)
      • Freital-Hainsberg-Kurort Kipsdorf (Weißeritztalbahn)
    • Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG)
      • Zittau-Kurort Oybin/ Kurort Jonsdorf (Zittauer Schmalspurbahn)
    • Döllnitztalbahn
      • Oschatz-Mügeln-Kemmlitz/ Glossen 

    Außerdem gibt es derzeit drei Museumsbahnen, welche ehrenamtlich betrieben werden: Die Preßnitztalbahn (Steinbach - Jöhstadt), die Museumsbahn Schönheide (Schönheide -Stützengrün), beide im Erzgebirgskreis gelegen, sowie die Muskauer Waldeisenbahn, welche im Nordosten Sachsens auf einer Spurweite von 600 mm verkehrt.

    Des Weiteren kann man in Sachsen fünf Museumsbahnhöfe besichtigen. Im Erzgebirgskreis ist dies in Oberrittersgrün mit dem Sächsischen Schmalspurbahnmuseum sowie in Schönheide Süd und Carlsfeld der Fall. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge findet man sowohl in Wilsdruff als auch in Lohsdorf museale Bahnhofsanlagen, die im Rahmen von Sonderveranstaltungen genutzt werden.

    Rechnet man die Strecken der verbliebenen Linien zusammen, erreichen sie immerhin auch heute noch eine Länge von knapp 100 Kilometern.

    Vor- und Nachteile der Schmalspurbahn

    Die Schmalspurbahn unterscheidet sich, wie der Name schon sagt, im Wesentlichen durch eine geringere Spurweite, welche lediglich 750 mm beträgt. Dies verschafft ihr gegenüber Normalspurbahnen (1435 mm) verschiedene Vorteile.

    Durch die schmalere Spur können engere Kurvenradien vor allem in Tälern und generell bei schwierigen Geländebedingungen realisiert werden. Auch ist die Schmalspurbahn kürzer als normalspurige Bahnen und benötigt daher weniger Platz in den Bahnhöfen. Schmalspurige Bahnanlagen sind mit einer überschaubaren Anzahl an Weichen und Gleisen außerdem deutlich einfacher gehalten, als es bei Normalspurbahnen der Fall ist.  Durch die Materialeinsparungen können selbstverständlich auch die Investitionskosten und Baukosten geringer gehalten werden. Dabei wird auf Signale und Oberleitungen meist ganz verzichtet und auch aufwendige Automatikschaltungen und Blockbetrieb sind bei dieser Art Bahn nicht gebräuchlich. Weiterhin können Baukosten aufgrund der geringeren Dimensionierung des Gleisbettes und der Gleise eingespart werden.

    Lieber nicht mit der kleinen Bahn?

    Trotz der vielen Vorteile hat die Schmalspurbahn einen entscheidenden Nachteil. Im Güterverkehr muss die Fracht an Übergangsstationen zum Anschlusstransport mit Regelspurbahnen umgeladen werden. Um das Problem zu lösen, wurden Verfahren entwickelt, bei denen ganze Güterwaggons auf Rollböcken oder Rollwagen schmalspurig transportiert werden können. Des Weiteren  hat die Schmalspurbahn eine schlechtere Laufruhe als Normalspurbahnen. Das heißt, dass Erschütterungen und Schwankungen stärker bemerkbar sind.

    Schmalspurbahnen werden folglich vor allem dort eingesetzt, wo die Nachteile nicht so stark zum Tragen kommen, wie es beispielsweise bei Berg- oder Straßenbahnen der Fall ist. Auch wurde gerade in kleinen, verwinkelten Städten und engeren Tälern oft auf die Schmalspurbahn zurückgegriffen, wo sie sich mit ihren Vorzügen klar gegen Normalspurbahnen durchsetzen konnte.

    130 Jahre Jahre Dampf im Tal der Roten Weißeritz

    Seit 130 Jahren schnauft die Weißeritztalbahn schon durch den Rabenauer Grund, das wildromantische Tal der Roten Weißeritz bei Rabenau, vorbei an der Talsperre Malter nach Kipsdorf, einem Wintersport-Ziel im Osterzgebirge.

    Für Fans historischer Dampflokomotiven, Wanderer im Rabenauer Grund und der Dippoldiswalder Heide, Badegäste der Talsperre Malter und Wintersportler in Kipsdorf hat sich die »Bimmelbahn« längst zum Verkehrsmittel der Wahl entwickelt. Auf dem ersten Teilabschnitt der Strecke von Freital-Dippoldiswalde fährt die Schmalspurbahn sogar schon länger als 130 Jahre, da dieser schon 1882 eröffnet wurde. Der zweite Teilabschnitt wurde ein Jahr später in Betrieb genommen. Die vorwiegend historischen Dampflokomotiven überwinden auf der gesamten Strecke von 26,3 km einen Höhenunterschied von 350 Metern, halten an 13 Bahnhöfen und überqueren 34 Brücken.

    Nach der Fertigstellung 1883 machte die Schmalspurbahn der industriellen Entwicklung und dem Tourismus im Tal der Roten Weißeritz ordentlich Dampf. Viele Unternehmen siedelten sich an und ließen Güter auf der Schiene transportieren. Hotels, Pensionen und Gasthöfe entstanden und empfingen die zahlreichen Erholungsgäste. Die Weißeritztalbahn dampft nach wie vor, aber nur für den Tourismus.

    Das Jahrhundert-Hochwasser 2002 setzte der historischen Bahn heftig zu. Die Fluten der Roten Weißeritz unterspülte Gleisanlagen, schwemmte teilweise die Schienen weg und zerstörte Gebäude der Bahn. Mithilfe von Spendengeldern konnte der Streckenabschnitt zwischen Freital-Hainsberg und Dippoldiswalde bereits wieder in Stand gesetzt werden. Der zweite Streckenabschnitt bis Kippsdorf ist noch gesperrt und geht eventuell Ende 2014 wieder in Betrieb.

    Weiterführende Informationen

    DAMPFBAHN-ROUTE Sachsen

    Auf ihrer Reise durch Sachsen wird die historische Schmalspurlok in zahlreichen Städten Halt machen.

    Auf ihrer Reise durch Sachsen wird die historische Schmalspurlok in zahlreichen Städten Halt machen.Auf ihrer Reise durch Sachsen wird die historische Schmalspurlok in zahlreichen Städten Halt machen.
    (© Projekt Dampfbahn-Route)

    Nur in Sachsen können sie täglich und zu jeder Jahreszeit mit schmalspurigen Dampfzügen in die schönsten Ecken eines bezaubernden Bundeslandes reisen.

    Dabei erleben Sie rund um die Dampfbahnen Höhepunkte aus Kunst und Kultur, weltberühmtes Traditionshandwerk, hochwertige Wellnessangebote oder unverwechselbare Naturschönheiten mit vielfältigen Möglichkeiten für Aktivurlaub.

    Nur in Sachsen können sie täglich und zu jeder Jahreszeit mit schmalspurigen Dampfzügen in die schönsten Ecken eines bezaubernden Bundeslandes reisen. Dabei erleben Sie rund um die Dampfbahnen Höhepunkte aus Kunst und Kultur, weltberühmtes Traditionshandwerk, hochwertige Wellnessangebote oder unverwechselbare Naturschönheiten mit vielfältigen Möglichkeiten für Aktivurlaub.

    Keine andere Region in Deutschland und auch darüber hinaus verfügt wie Sachsen über ein so lebendiges Kulturerbe historischer Eisenbahnen mit fünf täglich betriebenen Schmalspurbahnen, drei weiteren dampfbetriebenen Museumsbahnen, zahlreichen Museen, Denkmalen und lebendig erhaltenen Sachzeugen aus mehr als 170 Jahren Eisenbahngeschichte.

    Die DAMPFBAHN-ROUTE Sachsen ist als Ferienstraße durch den Freistaat für alle erlebnishungrigen Gäste nicht nur ein Kursbuch, in dem Eisenbahnen zu finden sind. Auch genussvolle Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten mit Ambiente und Erlebnisse für die ganze Familie werden Ihnen präsentiert. Von der Muskauer Heide bis zum Wintersportgebiet am Fichtelberg, vom Barockschloss Moritzburg unweit der Landeshauptstadt Dresden bis hin zum Naturpark Zittauer Gebirge verbindet die DAMPFBAHN-ROUTE Sachsen einzigartige Ferienregionen.

    Gehen auch Sie auf Entdeckungsreise durch das Land der Dampfeisenbahnen!

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    Eindrücke

    Am Bahnhof Bertsdorf kann man gleich in mehrere Dampfzüge der Zittauer Schmalspurbahn einsteigen, hier teilt sich die Strecke nach Kurort Jonsdorf und Kurort Oybin. (© Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft mbH)

    Zwischen Weißwasser und Bad Muskau/Kromlau verkehren die Züge der Muskauer Waldeisenbahn. (© Christian Sacher)

    In der Sächsischen Schweiz wird ein Teilstück der ehemaligen Schwarzbachbahn reaktiviert. (© Thomas Moldenhauer)

    Die Döllnitzbahn fährt zwischen Oschatz und Mügeln. (© Christian Sacher)

    Ein Aussichtswagen der Zittauer Schmalspurbahn. (© SOEG)

    Eine Dampflok IV K, die 1899 in der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz hergestellt wurde. (© Norbert Millauer/ ddp)

    Besonders eindrucksvoll: Die Dampfrösser bei nächtlicher Beleuchtung am Bahnhof Radebeul Ost. (© Christian Sacher)

    Kontakt Projekt DAMPFBAHN-ROUTE

    SOEG mbH

    © Institution